Chronische Schmerzen / Krankheitsbilder

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Das Verständnis chronischer Schmerzen hat sich in den letzten Jahren als Folge intensiver Forschungstätigkeit erheblich erweitert. Zwar sind noch viele Fragen auf diesem Gebiet offen und viele Prozesse der Schmerzverarbeitung unverstanden; es hat sich aber immer mehr gezeigt, dass der chronische Schmerz eines besonderen Ansatzes in der Diagnose und Therapie bedarf.

Auf dem Gebiet der Diagnostik wurden neben den bekannten bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Computertomografie, Kernspintomografie, Sonografie, der Labordiagnostik einfach zu handhabende Mittel wie Schmerzfragebögen und Schmerztagebücher entwickelt. Diese beiden letzten Verfahren bedürfen der Mitarbeit des Patienten, geben dem Arzt aber wichtige Informationen über das Krankheitsbild „Schmerz“ und seinen Verlauf.

Auf dem Gebiet der Therapie ist inzwischen klar, dass lang anhaltende Schmerzen oft eine psychische Ursache haben, aber umgekehrt auch psychische Veränderungen hervorrufen können, die dann auch zwingend mitbehandelt werden müssen. Wir wissen heute, dass viele chronische Schmerzpatienten im Gehirn dieselben Veränderungen zeigen, die Folteropfer entwickelt haben. So ist es verständlich das ein Behandlungsansatz allein häufig nicht der Komplexität des Krankheitsbildes gerecht wird, sondern mehrere Behandlungsmethoden miteinander kombiniert werden müssen.
Hintergrund des heutigen Krankheitsverständnisses vom „chronischen Schmerz“ ist das sogenannte „bio-psycho-soziale Modell“, das neben dem rein naturwissenschaftlichen Verständnis der Schmerzentstehung psychologische und soziale Hintergründe untersucht und in der Behandlung berücksichtigt. Auf Therapieseite steht dem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis der „multimodale Behandlungsansatz“ gegenüber.

Hier kommen neben der klassischen Schmerzbehandlung mit Medikamenten weitere Verfahren zur Anwendung.

Die Koordination der Behandlung liegt dabei in der Regel beim Hausarzt, der mit dem „Schmerztherapeuten“ eng zusammen arbeitet. Schmerztherapeuten haben nach einer entsprechenden Weiterbildung entweder eine Prüfung bei einer Ärztekammer (Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“) oder bei einer der beiden großen Schmerzgesellschaften in Deutschland abgelegt („Algesiologen“).

Weitere an der Behandlung beteiligte Disziplinen sind Anästhesisten, Orthopäden, HNO-Ärzte, Neurologen, Neurochirurgen, Internisten, Psychiater, Psychologen, aber auch Krankengymnasten.

Von der Deutschen Gesellschaft für Schmertherapie werden besonders qualifizierte Einrichtungen als „Regionales Schmerzzentrum DGS“ ernannt. Dort finden regelmäßig „interdisziplinäre Schmerzkonferenzen“ statt, in der alle beteiligten Fachdisziplinen an einem Tisch sitzen. Hier werden besonders komplizierte Fälle vorgestellt und diskutiert, um so den Patienten auf kurzem Wege helfen zu können. Unserer Schmerzkonferenz ist ein Qualitätszirkel angeschlossen: in monatlichen Treffen werden Einzelthemen der Schmerztherapie in Vorträgen gelehrt und vertieft. Hierzu werden regelmäßig Spezialisten als Referenten geladen. So besteht für alle interessierte Ärzte der Region die Möglichkeit sich über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Schmerztherapie zu informieren.